• ÜBER UNS

    ÜBER UNS

ÜBER UNS

  • GESCHICHTE

    GESCHICHTE

    Die Sozialgenossenschaft Oasis wurde im Dezember 1990 gegründet, als erster konkreter Versuch auf lokaler Ebene, auf die – oft dramatischen und von uns verdrängten – Probleme in Verbindung mit der Welt der ehemaligen Häftlinge und Menschen mit alternativen Haftstrafen (die vom Gozzini-Gesetz 1986 eingeführt worden sind) einzugehen. Dabei kamen auch sofort die kulturellen und ideellen Beweggründe zum Tragen, welche die Gründungsmitglieder mit Stolz als Grundlage für die Tätigkeit der Genossenschaft definieren.

    In der ersten Satzung aus dem Jahr 1990 hieß es in Art. 4:
    „Die Genossenschaft bezweckt die menschliche Förderung und die Inklusion von sozial benachteiligten Personen, Mitgliedern und Nichtmitgliedern durch den rationalen Einsatz der verfügbaren Humanres-sourcen und Mittel. Insbesondere möchte die Genossenschaft Gelegenheiten für die Arbeits- und berufliche Wiedereingliederung von Personen schaffen, die Haftstrafen unterzogen sind oder waren...“

    Im Laufe der Jahre hat sich der ‚menschliche’ Horizont der Genossenschaft erweitert und umfasst mittlerweile alle Personen, die allmählich ihrer Befugnisse (im weitesten Sinne dieses Wortes) beraubt worden sind und die je nach individuellem Einzelfall mehr oder weniger als ‚Opfer’ angesehen werden können – nämlich Opfer der eigenen Schwierigkeiten (bzw. in bestimmten Fällen der eigenen Unfähigkeit) in der Bewältigung bestimmter Situationen, wie es Familie, Arbeit, Vertrauen in andere oder Selbstvertrauen, Liebe und Beziehungen sein können.

    Heute bietet die Genossenschaft im Sinne der Satzungsziele notleidenden Personen konkrete Chancen für die Arbeitseingliederung und die berufliche Wiedereingliederung an. Diese notleidenden Personen sind gemäß Art. 4 des Gesetzes 381/91:
    Physische, psychische und sensorielle Invaliden, ehemalige Insassen von psychiatrischen Anstalten, Personen, die in einer psychiatrischen Behandlung sind, Rauschgiftsüchtige, Alkoholiker, Minderjährige im arbeitsfähigen Alter mit schwierigen Familienlagen und Verurteilte, die zur alternativen Haftstrafe gemäß Artikel 47, 47-bis, 47-ter und 48 des Gesetzes vom 26. Juli 1975, Nr. 354, abgeändert durch Gesetz vom 10. Oktober 1986, Nr. 663 zugelassen sind.

    Der erste Produktionsbereich der Genossenschaft war zunächst der Siebdruck. 1994 kam der Gärtnereibereich hinzu, der sich sehr bald zur Haupttätigkeit der Genossenschaft entwickelte. In diesen zwei Sektoren wurden auch die ersten Arbeitseingliederungsprojekte gestartet.

    Eine große Unterstützung kam bereits in jenen Jahren vor allem von der Gemeinde Bozen und von der Autonomen Provinz Bozen, insbesondere vom Amt für Familie, Frau und Jugend.

    Mit der Zeit gründete Oasis in Anbetracht der steigenden Nachfrage nach sozialer Inklusion durch Arbeit neue Abteilungen. Dabei versuchte sie, den von den öffentlichen Diensten entsandten Personen durch die Schaffung eines vielfältigen Angebotes auch mehr „Berufe“ anzubieten. So kamen mit der Zeit folgende Bereiche hinzu:
    • Umweltdienste (1997);
    • Reinigungsarbeiten (2004);
    • Papierbewirtschaftung (2004);
    • Getrennte Hausmüllsammlung (2006);
    • Führung von Eissportanlagen (2008);
    • Führung von Bar und Imbiss (2008);
    • Verstellung der Mülltonnen für die Hausmüllsammlung (2008);
    • Montage und Zusammenstellen von abnehmbaren Strukturen (2009);
    • Transporte und Umzüge (2009);
    • Hauslieferungen (2009);
    • Fahrradverleih (2010);
    • Führung öffentlicher Toiletten (2010);
    • Aufbau von Filmsets (2011);
    • Führung der Bars in Altersheimen (2017).

    Im Laufe der Jahre wurden einige Abteilungen aus verschiedensten Gründen auch wieder geschlossen. Wir möchten sie hier kurz erwähnen: Papierbewirtschaftung, Grafik und Siebdruck, getrennte Sammlung der biologischen Haushaltsabfälle.

    Es sei auch betont, dass die Genossenschaft in all diesen Jahren in enger Zusammenarbeit mit einer Reihe von Einrichtungen aus der weitläufigen sozialen Szene Südtirols gewirkt hat.

    Die Beteiligung an einem breiten Netz hat der Genossenschaft ermöglicht, von der anfangs beschränkten (wenn auch kostbaren) Phase der Arbeitseingliederung (ein Bereich, in dem fast ausschließlich nur die Einrichtungen aus dem sozialen Genossenschaftsbereich tätig waren) zur fortgeschritteneren, aber auch komplexeren Phase der sozialen und beruflichen Inklusion überzugehen.

    In diesem Sinne wurde ein Ansatz bevorzugt, der Personen mit leidvollen und schwierigen Lebensgeschichten dazu anregen soll, sich individuell und als Teil der Gemeinschaft im Projekt des ‚sozialen Unternehmertums’ auf die Probe zu stellen.

    In diesem Ansatz haben moralistische Einstellungen, berufliche Hilfen sowie die Fortsetzung von Abhängigkeiten nichts zu suchen.

    Strategisch wichtig ist das Gesamtprojekt, das die Sozialgenossenschaft Oasis umsetzen möchte und die Aktivierung eines Umlaufprozesses vorsieht. In diesem Prozess soll den Personen, die aufgrund verschiedenster Geschehnisse und Lebensgeschichten ihrer ‚Befugnisse’ (im weitesten Sinne als Fähigkeiten, Motivation und Ressourcen zu verstehen) beraubt werden, letztere wieder zurückgegeben werden.

    Dabei ist sich die Genossenschaft auch immer der Gefahr bewusst, dass es auch immer Prozesse geben wird, die die Passivität und die Abhängigkeit dieser Personen wieder anregen können.

    Oasis fährt mit ihrer Tätigkeit fort und hält dabei weiterhin an den Grundwerten und Zielen fest, die sie vor über 25 Jahren ins Leben gerufen hatten. Dabei blickt sie auf die Vergangenheit als Entstehungsgeschichte eines gelungenen Projektes, auf die Gegenwart als vielfältige (wirtschaftliche und soziale) Projektchance und auf die Zukunft als Ziel. Und das Ziel ist, weiterhin zur Aufwertung der Personen und ihrer Beziehungen beitragen zu dürfen.

    „Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?“ (E. Lorenz)
  • MISSION

    MISSION

    Die Sozialgenossenschaft Oasis wirkt an einer Reihe von Maßnahmen mit, die den Menschen und die soziale Inklusion durch Arbeit und Aufbau von echten Beziehungen zur Gemeinschaft und zum Umfeld der benachteiligten Personen fördern sollen und die Umsetzung der in der Satzung der Genossenschaft festgelegten Ziele bezwecken. Sie stützt sich dabei auf ganz bestimmte Grundwerte, die ihre alltägliche Tätigkeit kennzeichnen:
    • Immer die Person mit all ihren Besonderheiten, Fähigkeiten und Möglichkeiten in den Mittelpunkt aller täglichen Tätigkeiten, Planungen und Entwicklungsstrategien zu setzen;
    • Sich stets bewusst zu sein, einen Übergang von der Notlage zur Normalität darzustellen und den Übergang der eingegliederten Personen zum normalen Arbeitsmarkt fördern zu wollen. Dies wird durch die Aneignung von Kenntnissen, Kompetenzen und Fähigkeiten ermöglicht, mit denen der Zugang zum Arbeitsmarkt erfolgen kann;
    • Der Gewährleistung der Qualität (und nicht so sehr der Quantität) der Arbeitseingliederungen immer höchste Aufmerksamkeit zu schenken, indem vor allem an der Qualität des Betriebsklimas und der Beziehungen zwischen den Beschäftigten sowie an der Qualität der indi-viduellen Eingliederungsprojekte gearbeitet wird;
    • Die Fähigkeit zu haben, ein Gleichgewicht zwischen den aktivierten Arbeitseingliederungen und der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit zu finden und beizubehalten, um das Verhältnis zwischen der Produktivität der Genossenschaft und ihrer sozialen Rolle zu optimieren;
    • Ein Arbeitsumfeld zu schaffen und zu sein, das zu ‚teilen’ vermag, indem es die Ressourcen der darin aufgenommenen Personen, die oft am Rande des Arbeitsmarktes stehen, aufwertet;
    • Modalitäten zu fördern, die die aktive Teilnahme der Mitglieder, und insbesondere der beschäftigten Mitglieder in gemeinsamer Verantwortung für die täglichen Tätigkeiten und in den Momenten der Beschlussfassung erleichtern und die Ausarbeitung neuer Strategien für die Mitwirkung innerhalb der Genossenschaft und im Territorium ermöglichen.

    Die Sozialgenossenschaft OASIS (Sozialgenossenschaft des Typs B) wirkt seit 1990 in Südtirol. Ihr wichtigstes, in der Satzung verankertes Ziel ist die Ausarbeitung und das Management von Projekten für die berufliche Eingliederung von benachteiligten Personen, so wie sie vom Gesetz 381/1991 (dem Gesetz, das die Tätigkeiten der Sozialgenossenschaften regelt) definiert werden.

    Die Sozialgenossenschaft OASIS hat sich im Laufe ihrer ersten zwanzig Jahre bemüht, dieses Ziel auch aus einem breiteren Gesichtspunkt zu betrachten und die Arbeitseingliederung (mit all ihren individuellen Projekten) als Teil eines Prozesses zu sehen, bei dem den Personen ihre auf irgendeine Weise verlorene Eigenständigkeit und ‚Macht’ zurückgegeben werden sollen.

    Macht ist hier im breitesten Sinne als Fähigkeit, Ressource, Motivation, Recht, Unterstützung zu verstehen; alles Aspekte, ohne die es unweigerlich zu einer ‚sozialen Unterlegenheit’ kommt, die sich ohne Beistand nur festigen oder schlimmstensfalls steigern würden (und sich somit in einen äußerst negativen Abwärtssog verwandeln würden).

    Anders gesagt stellt ein Mangel an Macht eine bedeutende Gefahr für die persönliche und gesellschaftliche Existenz dar.

    Aus dieser Perspektive heraus, die die Grundlage des Handelns der Sozialgenossenschaft Oasis darstellt, ist die Arbeitseingliederung von benachteiligten Personen als Möglichkeit für den Wiederaufbau von Beziehungen, Sinnhaftigkeit und Tätigkeiten anzusehen. Diese stellen das soziale Geflecht dar, in dem notleidende Menschen mit schmerzvollen Lebenserfahrungen sich bewusst durch gezielte Projekte im genossenschaftlichen Rahmen, der sich vor allem die demokratische Ausübung der Macht zum Ziel setzt, auf die Probe stellen können.
  • WERTVORSTELLUNGEN

    WERTVORSTELLUNGEN

    Die Grundwerte bilden den ethischen Bezugsrahmen für das Verhalten der Genossenschaft.
    1. Die Person im Mittelpunkt: Oasis hat diesen Grundgedanken immer angewendet, da es ihre Aufgabe als Sozialgenossenschaft ist, Menschen aufzunehmen, die immer ‚Personen’ sind, unabhängig von ihrer vorhergehenden Lebensgeschichte. Diese Personen beschreiten einen Weg, mit vielen Erfahrungen, Fehlern, stets auf der Suche nach einer Richtung, die als ‚richtig’ angesehen werden kann. Dabei ertragen sie oft in aller Stille und Einsamkeit Leiden und Vorurteile und wachsen erst allmählich zur Überzeugung heran, dass es einen Ausweg aus der Dunkelheit gibt. Die Genossenschaft Oasis gewährleistet diese zentrale Rolle des Menschen auch innerhalb der Netzwerke und im Anschluss zu anderen Einrichtungen (entsendende lokale Dienste, andere Sozialgenos-senschaften), sowie in der Organisation der Genossenschaft durch eine besondere Aufmerksamkeit gegenüber der internen Teilnahme, dem beruflichen und zivilen Wachstumsprozess, dem Arbeitsklima und -umfeld.
    2. Die Bedeutung der Beziehungen: die in der Genossenschaft entstehenden Beziehungen sind wichtig, unter anderem um eine bewusste, konkrete Teilnahme und demokratische Führung des Unternehmens durch die Mitglieder zu ermöglichen.
    3. Die partizipative Demokratie, in der die einzelnen Personen in die Lage versetzt werden sollen, miteinander zu kommunizieren und sich über Projekte, Fragen, Probleme auszutauschen, um im Sinne der gemeinsamen Bedürfnisse handeln zu können und einen Entwicklungsmodus weiterzutragen, der die Identität und das Vermögen der Genossenschaft aufwerte.
    4. Der Bezug zum Territorium, als tiefe Verwurzelung im Gebiet, in dem die Genossenschaft wirkt, mit einem Bewusstsein für die tatsächlichen Probleme des Territoriums und als Spannungsfeld für die aktive Teilnahme am Leben der lokalen Gemeinschaft.
    5. Das vernetzte Arbeiten, das heißt die (unter anderem) methodologische Entscheidung, sich koordiniert an gemeinsamen und geteilten Zielen zu orientieren, sowie die eigenen Erfahrungen und Best Practices mit allen beteiligten Akteuren auszutauschen.
  • VISION

    VISION

    Wir sind von der – dramatisch bestätigten – Feststellung ausgegangen, dass in unserer Gesellschaft Wirtschaft und Finanzen (mit dem Gewinn als unbestrittenes Ziel) über dem Menschen stehen. Der Schutz der Marktwirtschaft und ihrer Gesetze, die als neutral und unantastbar angesehen werden, stehen über dem Schutz der Umwelt und des Individuums – genauso wie die Rechte einer kleinen Elite, der sogenannten ‚Mächtigen’ über die Rechte der großen, außer ihres Menschseins nichts besitzenden Mehrheit stehen.

    Wir haben beschlossen, dass wir uns nicht an diese Vision anpassen wollen; wir wollen in einer Welt leben, in der der Traum noch die Grundlage der Lebensprojekte ist.

    Im Rahmen dieser Vision ist es unser Ziel, so zu wirken, dass ein Wandel eintreten kann. Vor diesem Hintergrund möchte die Sozialgenossenschaft Oasis – trotz der tiefgehenden sozialen und wirtschaftlichen Krise – zum Aufbau einer neuen Gesellschaft und einer neuen Wirtschaft beitragen.

    Ausgangspunkt ist dabei die soziale Solidarität.

    In diesem Sinne setzt sich die Sozialgenossenschaft Oasis mit voller Überzeugung für die Anwendung und die Verbreitung einer Kultur ein, in der Aufnahme und Solidarität, Teilnahme und Teilhaben, Annahme und Aufwertung der Andersartigkeit und die Bekämpfung jeglicher Diskriminierung die Grundwerte darstellen.

    Oasis strebt weiterhin eine Entwicklung in einem ‚sozialen Markt’ an, der sich ständig ändert und verwandelt. Unsere Genossenschaft übernimmt dabei in gemäßigtem Maße und in vollem Bewusstsein auch die Unternehmensrisiken, indem sie Projekte und Dienste vorschlägt, die zur Festigung eines So-zialpaktes beitragen. Oasis stellt den Menschen stets in den Mittelpunkt, fördert und unterstützt ihn, um schlussendlich das Wohlbefinden und den Fortschritt der Gemeinschaft zu begünstigen.

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